Mit der skandinavischen Badetradition sind viele Europäerinnen und Europäer bereits aufgrund der Saunakultur bestens vertraut. Deutlich weniger bekannt in unseren Breitengraden ist dagegen, welch hohen Stellenwert Wasser und das Baden an sich in Japan besitzen. Wussten Sie zum Beispiel, dass viele Japanerinnen und Japaner täglich ein heißes Bad nehmen? Dabei gilt: Je heißer, desto besser, denn in Japan besitzt Baden einen fast schon meditativen Charakter. Es geht weniger um Reinigung – denn dafür ist die Dusche da – als um tiefe Entspannung, Selbstpflege und ein Stück Spiritualität.
In diesem Beitrag nehmen wir Sie daher, gemeinsam mit unserer hansgrohe Badexpertin Natascha Beha, mit auf die Reise: Wir zeigen Ihnen, wie es Ihnen gelingt, in einem Japandi-Bad skandinavische und japanische Einflüsse harmonisch miteinander zu verschmelzen. Außerdem möchten wir Ihnen die Werte näherbringen, die ein Japandi-Bad erst zu einem Ort für Rückzug, Gelassenheit und Regeneration machen.
Wabi-Sabi bedeutet im Design, das Unvollkommene nicht zu kaschieren, sondern bewusst zu zeigen. Materialien, die altern dürfen und Spuren des Gebrauchs tragen, machen ein Badezimmer nicht nur authentischer, sondern auch menschlicher.
Natascha Beha, hansgrohe Badexpertin
Wabi-Sabi beschreibt also insbesondere ein Prinzip der Akzeptanz: Wenn wir zulassen, dass nicht alles perfekt sein muss, ja sogar in der Lage sind, die Schönheit des Unperfekten zu erkennen, gehen wir auch achtsamer mit uns selbst um und akzeptieren uns, wie wir sind.
Japan ist nicht nur ein Land mit einer uralten Geschichte, sondern in seinem Alltag auch geprägt von strengen gesellschaftlichen Normen und Hierarchien. Deshalb kommt Bädern eine so große Bedeutung zu: Sie sind nicht nur ein Platz für Entspannung und Regeneration, sondern auch ein Ort, an dem der strikte Verhaltenskodex ein wenig gelockert wird.
In japanischen Häusern findet sich daher oft das Ofuro, das häusliche Bad. Dabei handelt es sich um eine tiefe Badewanne mit sehr warmem Wasser (oft 40–42 °C). Öffentliche Bäder heißen in Japan Sentō und sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes. Anders als in europäischen Badeanstalten wird es im Sentō nie laut. Hier dominieren Ruhe und der Respekt vor anderen. Und dann sind da natürlich noch die Onsen, die heißen Quellen der Vulkaninsel. Hier relaxt sich der Chef neben dem kleinen Angestellten im mineralhaltigen Wasser und führt ein leises Gespräch über Themen, die im Job ein komplettes Tabu wären. Auch freundliche Kommunikation ist Wohlbefinden. Ganz wichtig für alle japanischen Bäder: Das Bad selbst dient nicht der Reinigung, sondern der Entspannung. Gewaschen wird sich immer, bevor die Badewanne betreten wird. In der Regel im Sitzen; früher mithilfe einer Waschschüssel, in moderneren Einrichtungen finden sich heute meist komfortable Duschen.
Wasser gilt in Japan als reinigend im spirituellen Sinn. Dabei markiert es oft eine Grenze zwischen zwei Zuständen: vorher und nachher, außen und innen, Alltag und Ritual. Ein Bad kann damit einen Übergang einleiten. Wer sich im Wasser treiben lässt, kommt verändert heraus. Fließende oder ruhige Gewässer sind daher häufig ein zentrales Element von Zen-Gärten und Tempelanlagen.
Im Shintō, der ursprünglichen japanischen Glaubensform, werden durch Wasser Unreinheiten, sogenannte kegare, entfernt. Anders als in der westlichen Welt ist damit allerdings keine moralische Schuld gemeint, sondern vielmehr Zustände von Unordnung, Getriebenheit und Unsicherheit. Auch hier spiegeln sich die Aspekte der Ruhe, Gelassenheit und inneren Ordnung wider. Das Bad als Ort für Rückzug, Wohlbefinden und Selbstpflege wird vielleicht nirgendwo auf der Welt so stark gelebt wie auf den japanischen Inseln.
Haben Sie schon Lust bekommen Ihr Japandi-Bad in die Tat umzusetzen? Dann gestalten Sie es doch ganz einfach in unserem hansgrohe Badplaner:
Farben im Japandi-Bad sollen nicht auffallen, sondern beruhigen. Gedeckte, neutrale Töne schaffen eine Atmosphäre, die den Blick nach innen lenkt und dem Raum seine stille Tiefe verleiht.
Natascha Beha, hansgrohe Badexpertin
Dieser Unterschied fällt vor allem bei den Akzentfarben auf. Während im Scandi-Bad sich etwa weiße Armaturen harmonisch ins Farbkonzept einfügen, empfiehlt sich für den Japandi-Stil eher Anthrazit oder Mattschwarz. Auf glänzende, auffällige Farben sollten Sie in jedem Fall verzichten. Ihr Ziel ist es, mit zwei Haupttönen und maximal drei Akzentfarben eine ruhige Komposition zu kreieren, die dem Auge ein Gefühl von Gelassenheit schenkt.
Besonders gut im Japandi-Bad wirken Greige (ein Ton zwischen Grau und Beige) sowie Sand als Hauptfarben, begleitet von einem gedeckten Grün, Terrakotta und Mattschwarz. Probieren Sie das Farbenspiel am besten direkt aus und besuchen Sie unseren virtuellen hansgrohe Badplaner.
Die Farbe der Armatur bietet Ihnen wiederum die Möglichkeit, zu akzentuieren und einen Kontrastpunkt zu setzen. Wir empfehlen Töne wie Mattschwarz, Brushed Bronze oder Brushed Black Chrome, die sich vollkommen selbstverständlich in Ihr Farbkonzept einfügen. Auch hier gilt: Strukturiert und gedeckt schlägt auffallend und glänzend.
Und zuletzt ist da natürlich noch der Wasserstrahl selbst: Ein sanftes Plätschern, ein leises Gurgeln – so, als würde ein kleiner Bach durch Ihr Bad fließen. Das ist echtes Japandi-Feeling. Diesen Effekt erzielen Sie auf ganz natürliche Art und Weise mit einer Regendusche.
Im Japandi-Bad folgen Armaturen einer ruhigen, klaren Formsprache und fügen sich mit gedeckten Farben selbstverständlich in das Gesamtbild ein. Gerade diese Zurückhaltung lässt Wasser, Raum und Atmosphäre wirken, ohne visuelle Unruhe zu erzeugen.
Natascha Beha, hansgrohe Badexpertin
Im Unterschied zum Scandi-Style gilt für Japandi allerdings noch viel stärker: Weniger ist mehr. Denn während das skandinavische Bad zum Beispiel von verspielten Türknäufen profitieren kann, dominiert im Japandi-Stil die Reduktion. Hier haben grifflose Türen und Schubladen ihren Platz, die sich flüsternd leise öffnen und den Blick auf ihr funktionales Inneres freigeben. Als Material kommt für Ihre Badmöbel vor allem Holz infrage. Gerne stark strukturiert und in einer gedeckten, eher dunklen Farbe. Besonders schön wirken Walnuss oder dunkle Eiche. Für kleinere Ablagen oder Körbchen können Sie alternativ auch zum traditionellen Bambus greifen. Aber bitte nicht zu viel davon, denn sonst geht Ihnen die schlichte Eleganz verloren und Ihr Bad driftet in das Klischee eines asiatischen Restaurants ab.
Reduktion bedeutet im Japandi-Bad nicht, dass etwas fehlt. Im Gegenteil: Jeder Gegenstand bekommt mehr Raum, mehr Bedeutung und mehr Aufmerksamkeit. Das Badezimmer wird dadurch nicht kälter, sondern persönlicher.
Natascha Beha, hansgrohe Badexpertin
Zuletzt ist für Japandi auch immer das Spiel mit Leere typisch. Freie Flächen sind kein Mangel, sondern ein bewusster Teil seiner Gestaltung. Eine schlichte Vase, gefaltete Leinentücher oder eine kleine Pflanze reichen aus, um Atmosphäre zu schaffen. Ihre Dekoration unterstützt die Ruhe des Raums und lenkt den Blick nicht ab, sondern immer nach innen.
Japandi ist ein sinnliches Erlebnis. Schließlich sollen Sie ganz im Moment sein. Für Ihre Augen haben wir bereits über Farben und Licht gesprochen, für die Ohren über den Lauf des Wassers, für das Fühlen über die Haptik. Aber was ist mit der Nase?
Unser Tipp: Ergänzen Sie Ihr Japandi-Bad um einen kleinen Duftspender. Am besten unaufdringlich und natürlich, also kein Spray, sondern aromatische Dufthölzer wie Zedernholz, Hinoki oder Sandelholz. In einer kleinen Schale arrangiert erhalten Sie so nicht nur den feinen Geruch von Wasser, Luft und Stille, sondern sorgen auch für ein wenig mehr Wabi-Sabi.
Und was ist mit dem fünften Sinn, dem Schmecken? Als kleine Idee: Nach dem Bad im heißen Wasser bieten viele japanische Onsen als Abschluss eine Schale Tee an. Vielleicht kann Ihnen also ein lieber Mensch ein Tässchen servieren, wenn Sie Ihr Wellnessprogramm abgeschlossen haben? Alternativ können Sie den Tee natürlich auch gerne genießen, während Sie entspannt in der Badewanne liegen. Das ist zwar keine echte Teezeremonie, aber die Japaner werden Ihnen die kleine Nachlässigkeit bestimmt verzeihen.
Im Japandi-Bad ist es wichtig, alle Sinne mitzudenken. Licht, Materialien, Wasser und dezente Düfte greifen ineinander und sorgen gemeinsam dafür, dass der Raum nicht nur funktioniert, sondern sich gut anfühlt.
Natascha Beha, hansgrohe Badexpertin
…do it like the Japanese. Soll heißen: In Japan duscht man traditionell im Sitzen. Denn das ist nicht nur wesentlich entspannter, sondern vor allem kommen Sie so auch deutlich leichter an tieferliegende Körperzonen. Was wäre also naheliegender als ein Duschhocker im Japandi-Bad? Einfach setzen, Arme und Seele baumeln lassen, während Ihnen das heiße Wasser über den Kopf läuft. Dann die Beine kräftig durchstrecken, einmal prusten, und schon purzeln die Alltagssorgen von Ihnen ab, als wären sie nie da gewesen.
Japandi-Bäder sind zeitlos. Nicht nur weil es den Look schon lange gibt und er sich einfach nie überholt, sondern vor allem, weil sie auf Wabi-Sabi beruhen. Denn Sie erinnern sich: Altern und Veränderung sind zentraler Teil der Philosophie.
Planen Sie Ihr Japandi-Bad also nicht so, dass es nach fünf Jahren immer noch aussieht wie am ersten Tag. Wählen Sie stattdessen bewusst Materialien, die schöner werden, wenn sie altern: Holz, das nachdunkelt, Messing, das Patina ansetzt, Stein, der Gebrauchsspuren zeigt. Kleine Veränderungen durch Wasser, Licht und Zeit sind im Japandi kein Makel, sondern Teil seines Charakters.
Im zweiten Schritt geht es um Atmosphäre mit allem, was sich vergleichsweise leicht tauschen lässt: Wechseln Sie kaltes Licht gegen warmes, gedimmtes Licht aus, setzen Sie bei Möbeln und Deko auf natürliche Materialien wie Holz, Keramik oder Leinen und tauschen Sie die alten Chromarmaturen gegen neue Modelle in zurückhaltenden Farben aus.
Bereits kleine Eingriffe können die Wirkung Ihres Bade-Raums spürbar verändern. Denn wie wir inzwischen wissen: Japandi entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch bewusste Zurückhaltung.
Gerade kleine Badezimmer profitieren vom Japandi-Stil. Durch klare Linien, ruhige Farben und bewusste Leere entsteht ein Raum, der größer wirkt und gleichzeitig mehr Geborgenheit vermittelt.
Natascha Beha, hansgrohe Badexpertin
Um unseren Beitrag in einem Satz zusammenzufassen: Japandi ist kein Einrichtungsstil, sondern eine ganze Lebensphilosophie – und Sie wissen jetzt, welche Gedanken sich hinter dem Prinzip verstecken und wie Sie aus einer Idee Ihr ganz persönliches Traumbad machen.
Damit können Sie übrigens direkt loslegen. Besuchen Sie unseren hansgrohe Badplaner, experimentieren Sie mit Farben sowie der Einrichtung. Wenn dann alles fertig ist, speichern Sie es ab und kontaktieren Sie uns. Denn den Fachbetrieb für die Umsetzung empfehlen wir Ihnen gerne.
Japandi ist die Verbindung aus japanischem Minimalismus und skandinavischer Klarheit. Im Badezimmer vereint dieser Stil ruhige Farben, natürliche Materialien und funktionales Design mit einer tiefen, philosophischen Haltung zu Achtsamkeit, Rückzug und Selbstpflege.
Während das Scandi-Bad vor allem Leichtigkeit, Helligkeit und Gemütlichkeit vermittelt, geht das Japandi-Bad einen Schritt nach innen. Es ist reduzierter, ruhiger und stärker auf Rituale, Entschleunigung und seelisches Wohlbefinden ausgerichtet.
Ideal sind warme, naturnahe und gedeckte Farbtöne. Besonders gut funktionieren Greige, Sand, Beige oder warme Grautöne als Basis, ergänzt durch Akzente in Mattschwarz, gedecktem Grün oder Terracotta. Glänzende oder sehr kräftige Farben sollten vermieden werden.
Natürliche Materialien stehen im Mittelpunkt: Holz, Naturstein, Keramik, Leinen oder Bambus. Wichtig ist nicht nur die Optik, sondern auch die Haptik. Oberflächen dürfen rau, strukturiert und spürbar sein – Hochglanz wirkt im Japandi-Bad eher störend.
Schlichte, klar geformte Armaturen ohne verspielte Details. Farblich eignen sich Mattschwarz, Brushed Bronze oder Brushed Black Chrome. Besonders wichtig ist ein ruhiger, natürlicher Wasserfluss, wie er etwa durch Regenduschen erzeugt wird.
Wasser ist nicht nur funktional, sondern zentraler Bestandteil des Erlebnisses. Es steht für Reinigung, Übergang und Entspannung. Das Bad dient dabei weniger der Körperpflege als dem bewussten Abschalten – ganz im Sinne der japanischen Badetradition.
Ja, sogar ganz besonders. Der Fokus auf Reduktion, klare Linien und versteckten Stauraum lässt kleine Räume großzügiger wirken. Freie Flächen sind kein Platzverlust, sondern bewusstes Gestaltungselement.
Absolut. Schon kleine Veränderungen haben große Wirkung: weniger sichtbare Accessoires, natürliche Materialien, warmes Licht, ruhige Farben und neue Armaturen. Japandi entsteht vor allem durch bewusste Zurückhaltung, nicht durch radikale Umbauten.
Nein. Japandi ist weniger ein Trend als eine Haltung. Durch zeitlose Gestaltung, hochwertige Materialien und den bewussten Umgang mit Raum und Ritualen bleibt dieser Stil langfristig aktuell.